Im Jahre 1861
war es, als eine Anzahl junger Männer in Kulmbach sich zusammenfand, um die damals noch heiß umstrittene Idee Friedrich Ludwig Jahns in die Tat umzusetzen und einen Turnverein ins Leben zu rufen. Altbekannte Kulmbacher Namen wie Püttner, Hering, Angermann, Weinreich, Pöhlmann, Weiß, Weber, Pertsch, Pensel, Münch, Senfft, Opel, Sandler, Scheiding, Hoffmann, Müller, Scheler, Arnet, Trendel, Howeg und andere verzeichnet das damalige Gründungsprotokoll.
Der Verein hatte sehr bald in Kulmbach Anerkennung gefunden, der "hochwohllöbliche Stadtmagistrat" hatte kurz nach der Gründung den ,,Platz hinter der Vogelstange" auf der Draht als Turnplatz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Jedoch war der Andrang zum Turnen so stark, vor allem von Kindern, dass die Schützengesellschaft um Überlassung des abgeschlossenen Schützengartens gebeten wurde.
Eine der weiteren Sorgen des neuen Vereins war die Beschaffung einer Fahne, und bereits im Jahre 1862 konnte die Weihe auf dem Marktplatz stattfinden. Die Spalten des "Mainboten" waren des Lobes voll über das abgelaufene Fest. Doch hart waren die folgenden Jahre des noch in den Kinderschuhen stehenden Vereins. Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren werden aufgefordert, als Turnzöglinge einzutreten. Für die Benutzung der Geräte und Requisiten wird im Monat ein Beitrag von 6 Kreuzern erhoben, was einem heutigen Wert von etwa 12 Cent entspricht.
Die mehrmalige Verlegung des Vereins- und Kneiplokals war die Folge. Der Mitgliederstand wuchs und betrug 1865 an Aktiven 80 Mitglieder. Der Verein hatte sich bereits nach außen einen Namen gemacht, und oberfränkische Turner aus den benachbarten Städten Lichtenfels und Coburg trafen sich in Kulmbach zu einer gemeinsamen Kundgebung: 300 Turner machten einen Turngang zum Patersberg. 1867 wurde Conrad Scheiding zum Vorstand gewählt, im Turnlokal bei Bäckermeister Dörflein wurde das Winterturnen eingeführt.
Nach beendigtem siegreichem Feldzug 1871 wurden die Turner wieder straffer zusammengefasst und der Turnzwang für die aktiven Mitglieder beschlossen. Das Vereinslokal wurde zu Paulus Semmelroch verlegt, die Gebrüder Limmer überließen einen Stadel zu einem Winterturnlokal.
1876 wurde Conrad Nützel zum Vorstand des Vereins gewählt und verwaltete dieses Amt in einer über Jahrzehnte dauernden erfolgreichen Tätigkeit bis 1911. Der 100. Geburtstag des Turnvaters Jahn wurde am 11. August 1878 festlich begangen mit Freiübungen, Geräte- und Kürturnen und am Abend durch Illumination der Stadt und Abbrennen eines Feuerwerkes.