Chronik und Geschichte des ATS Kulmbach 1861 e.V.


Im Jahre 1861 ...

... war es, als eine Anzahl junger Männer in Kulmbach sich zusammenfand, um die damals noch heiß umstrittene Idee Friedrich Ludwig Jahns in die Tat umzusetzen und einen Turnverein ins Leben zu rufen. Altbekannte Kulmbacher Namen wie Püttner, Hering, Angermann, Weinreich, Pöhlmann, Weiß, Weber, Pertsch, Pensel, Münch, Senfft, Opel, Sandler, Scheiding, Hoffmann, Müller, Scheler, Arnet, Trendel, Howeg und andere verzeichnet das damalige Gründungsprotokoll.

Der Verein hatte sehr bald in Kulmbach Anerkennung gefunden, der "hochwohllöbliche Stadtmagistrat" hatte kurz nach der Gründung den ,,Platz hinter der Vogelstange" auf der Draht als Turnplatz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Jedoch war der Andrang zum Turnen so stark, vor allem von Kindern, dass die Schützengesellschaft um Überlassung des abgeschlossenen Schützengartens gebeten wurde.

Eine der weiteren Sorgen des neuen Vereins war die Beschaffung einer Fahne, und bereits im Jahre 1862 konnte die Weihe auf dem Marktplatz stattfinden. Die Spalten des "Mainboten" waren des Lobes voll über das abgelaufene Fest.

 

(Bild rechts: Das Gründungsprotokoll vom 23. Januar 1861 - anklicken zum Vergrößern).


Aller Anfang ist schwer ...

Doch hart waren die folgenden Jahre des noch in den Kinderschuhen stehenden Vereins. Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren werden aufgefordert, als Turnzöglinge einzutreten. Für die Benutzung der Geräte und Requisiten wird im Monat ein Beitrag von 6 Kreuzern erhoben, was einem heutigen Wert von etwa 12 Cent entspricht.


Die mehrmalige Verlegung des Vereins- und Kneiplokals war die Folge. Der Mitgliederstand wuchs und betrug 1865 an Aktiven 80 Mitglieder. Der Verein hatte sich bereits nach außen einen Namen gemacht, und oberfränkische Turner aus den benachbarten Städten Lichtenfels und Coburg trafen sich in Kulmbach zu einer gemeinsamen Kundgebung: 300 Turner machten einen Turngang zum Patersberg. 1867 wurde Conrad Scheiding zum Vorstand gewählt, im Turnlokal bei Bäckermeister Dörflein wurde das Winterturnen eingeführt.

 

Nach beendigtem siegreichem Feldzug 1871 wurden die Turner wieder straffer zusammengefasst und der Turnzwang für die aktiven Mitglieder beschlossen. Das Vereinslokal wurde zu Paulus Semmelroch verlegt, die Gebrüder Limmer überließen einen Stadel zu einem Winterturnlokal.

1876 wurde Conrad Nützel zum Vorstand des Vereins gewählt und verwaltete dieses Amt in einer über Jahrzehnte dauernden erfolgreichen Tätigkeit bis 1911. Der 100. Geburtstag des Turnvaters Jahn wurde am 11. August 1878 festlich begangen mit Freiübungen, Geräte- und Kürturnen und am Abend durch Illumination der Stadt und Abbrennen eines Feuerwerkes.

 

(Bild rechts: Die Turnerfahne von 1898 - anklicken zum Vergrößern).


Vor dem Jahrhundertwechsel

Nach 25jahrigem Bestehen des Vereins wurde anlässlich dieser Feier ein Fonds zur Erbauung einer vereinseigenen Turnhalle angelegt und 300 Mark wurden dafür aufgebracht. Feuerwehr und Sanitätsdienst fanden jederzeit bei den Turnern tatkräftigste Unterstützung. So waren die Aufgaben eines Wander-Turnlehrers mit denen eines Feuerwehrexerziermeisters verbunden, und 1891 meldeten sich aus den Reihen des Turnvereins 38 Aktive zur Freiwilligen Sanitätskolonne. Die Gründung einer Fechtriege und die Anschaffung der hierfür notwendigen Ausrüstung wurden 1892 beschlossen.

Im Jahre 1893 war ein stolzes Werk fertiggestellt: der Neubau der städtischen Turnhalle auf dem Platz neben der Realschule. Auf Ansuchen wurde sie dem Turnverein von den beiden städtischen Kollegien in bereitwilligster Weise kostenlos überlassen. Es war ein Verdienst des damaligen langjährigen Stadtoberhauptes, Hofrat Flessa, einem warmen Befürworter und eifrigen Förderer des Turnwesens. Die feierliche Einweihung der Halle, zugleich mit dem neuen Realschulgebäude, fand am 25. September 1893 statt.


Dass sich die Turner weit über ihr gestecktes Ziel hinaus am öffentlichen Leben beteiligten, zeigt eine Tafel mit Inschrift am Aussichtsturm auf dem Rehberg, wo sich Mitglieder am Wiederaufbau des Turmes beteiligten.

 

(Bild rechts: Die Vorstandschaft im Jahr 1890 - anklicken zum Vergrößern).


Der ATS wird zum Großverein

Von frühester Zeit an hieß Turnen in Kulmbach nicht ausschließlich Gerätturnen, sondern allumfassende Körperertüchtigung, die auch andere Sport- und Spielarten mit einschloss. Bereits 1895 wurde aus den Turnerkreisen eine Fechtriege, 1897 eine Faustballriege gegründet. 1911 entstand der Ballspielclub Kulmbach (Fußball), 1921 kam eine Abteilung „Wandern & Musik“ und 1926 eine Handballgruppe hinzu. Auch den Sportarten Schwimmen und Leichtathletik war man von Anfang an zugetan. Somit wurde der Grundstein für diese, heute selbstständigen, ATS-Abteilungen bereits bei den Turnern gelegt.

 

Im Jahr 1931 schlossen sich der „Turnverein von 1861“ und der „Turnerbund Kulmbach von 1903“ zur „Kulmbacher Turnerschaft von 1861“ zusammen. Diese Verbindung läutete einen weiteren Schub für das Turnen in Kulmbach ein, die bis zum Jahr 1936 in seiner größten Blüte stand. Damals zählte man 700 Vereinsmitglieder. Der Zweite Weltkrieg brachte auch für die Turn- und Sportbewegung in Kulmbach einen tiefen Einschnitt mit sich. Erst am 3. März 1946 kam es bei der Gründungsversammlung des ATS Kulmbach, die im „Scharfen-Eck“ (heute „Patchwork“ in der Grabenstraße) stattfand, zu einem Neuanfang.

 

Im Laufe der Jahre gründeten sich unsere Abteilungen:

 

1861      Turnen

1895      Fechten

1897     Faustball (ab 1923 Abteilung)

1911      Fußball (Ballspielclub Kulmbach)

1921      Wandern & Musik

1922      Schwimmen

1926      Handball

1928      Radball

1946      Leichtathletik

1946      Tischtennis

1946      Boxen / Schwerathletik (Wiedergründung 1996)

1954      Radrennen (bereits seit 1899 Radsportverein Kulmbach)

1958      Judo

1968      Basketball

1975      Karate

1976      Volleyball

1985      Tennis

2007      Triathlon (als Unterabteilung der Schwimmer)

2010      Eissport